Dienstleistungswüste

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Zahnarzttermin in Frankfurt um 13:00 Uhr. Der heißeste Tag des Jahres bis hierhin. 11:45 Uhr ab Waldhof. Einen Zug lässt die Bahn ausfallen. Einfach so … … ohne jede weitere Erklärung, ohne Nachsuchen um Entschuldigung.

Der RE 70 verkehrt stündlich. Im 12:45 er … Klimaanlage – Fehlanzeige. Wir rumpeln durchs Ried. Lassen ein paarmal, abgestellt auf Nebengleisen, pressantere Wagenreihen passieren.  Auch die Luft steht, bei gefühlten 50 Grad. Am Ende summieren sich weitere 20 Minuten Verspätung.

Derweil zieht sich ein entmenschter Vorstand in seinem Elfenbeinturm die fünfte Linie rein und halluziniert von Qualitätsinitiativen. Wird sich am Jahresende selbstzufrieden als Boni in die Taschen schieben, was auf seine Veranlassung an Serviceleistungen und Personalausgaben weggespart worden ist. Die Realität dieses Donnerstags hat jedenfalls was von Viehtransport auf dem Balkan. Menschenverachtend, brutal, verantwortungslos …

Einfach wiederbeleben …

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was doch juveniler Usus war. Anhalten, aussteigen, verweilen. Begierig zitternd einatmen, sprachlos staunen und befreit ausatmen. Lächelnd geschehen lassen – gleichwohl nicht schon wieder einzuordnen suchen. Das vor allem. Einen Schleichweg finden – aus diesem zwiespältigen Erwachsensein zwischen Erfahrung und Erwartung, Chaos und Konvention, Neigung und Notwendigkeit.

Rußgeschwärzte …

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Backsteinmauern. Der Geruch nach geteerten Staketenzäunen, Braunkohlebrand und Schweinebraten. Lähmend endlose Sonntagnachmittage, an denen nur die Sperlinge wie werktags lärmen dürfen. Nach Hause traue ich mich nicht, die teure Sonntagshose ist unterm linken Knie zerrissen. Die kleine Christiane teilt meine angstvolle Einsamkeit sicherlich nur, weil ich eine gute Hälfte meiner zwei Rippen Trauben-Nuss abtrete …

Der Weg ist das Ziel

Einerlei, wie oft du dich in deinem Dasein verläufst – es bleibt doch dein Lebensweg. Sackgassen, beschwerliche Anstiege und eine helfende Hand gehören geradeso dazu, wie der untergehakte Bummel auf einem abendlichen Boulevard oder die einsame Wanderung ohne Ziel und Zeit. Du definierst Dich über deine Erwartungen und Erfahrungen, gebietest über persönliche Vorlieben wie Animositäten, bist inkonstante Quintessenz deiner Vorstellungen und Vorgaben.

Lebenszeichen

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Nach dem zweiten Myokardinfarkt lässt sich folgendes feststellen. Bei einer Inzidenz von 300 Fällen pro 100 000 Einwohnern jährlich sollte sich das Thema für mich, zumindest aus einem oberflächlich statistischen Blickwinkel betrachtet, eigentlich erledigt haben. Schließlich schlägt auch der Blitz so gut wie nie in denselben Baum zwei- gar dreimal ein. Schön wär’s schon. Aber wie so oft, humpelt leider auch dieser Vergleich gewaltig.

Die Wahrscheinlichkeit eines weiteren, womöglich finalen Infarkts, ist nämlich just wegen des geschwächten, weil abermals lädierten Muskels leider – nicht nur statistisch – wahrscheinlicher geworden. Wehrlos ausgeliefert bin ich dieser Perspektive auch als seelischer Hinkefuß gleichwohl nicht.

Es gilt, ungesunde Beziehungen zu Mitmenschen als solche einzuordnen. Das erfordert einen kritischeren Blick auf automatisierte Abläufe im Kontakt mit den „Nächsten“.  Selbstschädigende, beharrlich unreflektierte oder ängstlich gehätschelte (weil vertraute) Verhaltensmuster gehören gleichfalls auf einen rationaleren – oder „eigennützlichen“ Prüfstand.

Zu diesen zählt insbesondere jene unermüdliche, wie hilflose Hoffnung auf einen Funken Empathie, welche mit ebenso ermüdender Beständigkeit an der chronischen Ignoranz, der Wurstigkeit oder achtlosen Gewohnheitsrechts derselben Antagonisten zerschellte. Jene Hoffnung, die nach über einem halben Jahrhundert mangels positiver Perspektive nun doch so herzlos – wie selbstfürsorglich begraben werden muss.

Oder wie’s Bert Brecht geschmeidiger formulierte:

Sieh Deine Ansichten und sieh,
sie sind alt
Erinnere Dich, wie gut sie einst waren
Jetzt betrachte sie nicht mit dem Herzen, sondern kalt
und sage, sie sind alt
Komm mit mir nach Georgia,
dort wirst Du sehen, gibt es neue Ideen.
Und wenn die Ideen wieder alt aussehen,
Dann bleiben wir nicht mehr da