Am Meer

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Strenggenommen ist die Ostsee gar kein richtiges Meer. Sie zählt zu den Binnen- oder Brackwassermeeren, ist gewissermaßen nur kleine Schwester eines wirklichen Ozeans. Gefahrlos ist sie deswegen keineswegs. Schon die Vokabel „Ostsee“ hat für mich etwas Bedrohliches. Assoziiert brüllenden, brodelnden und gischtenden Aufruhr und ist mit dem Grauen eines tausendfachen Todes in den Schiffsleibern der torpedierten „Gustloff“, der „Goya“, oder der „Steuben“ vebunden. Erinnert auch an den Untergang der „Estonia“ in ihren tosenden Fluten – Jahrzehnte später.

Die Ostanrainer nennen ihr Meer „Baltische See“. Klingt das nicht nach jenem kompromisslos lichtblauen Absoluten, mit dem nur dieses Meer den Himmel zu spiegeln vermag? Nirgendwo sonst auf der Welt scheinen die Farben so intensiv,  ist die Luft so licht und klar wie in den Sommern entlang der Küsten bis hinauf nach St. Petersburg. Wenn man die Seele für kleine stille Momente nicht nur sprichwörtlich baumeln lassen könnte, dann an einem solch sonnigen Tag – und an einem dieser feinsandigen Strände der Baltischen See.